Rainald Grebe - der Expressionist unter den Comedians




Das Abschiedskonzert

Aufgenommen am 06.06.2004 im Theaterhaus Jena. "Es ist gut" aufgenommen in Martins Schlafzimmer.

Toningenieur: Martin Bechler
Grafik: Friedemann Weise
Produktion: Alexia Agathos


Diese CD muss man eigentlich mal gehört haben! Perfekt gespielter Flügel und dazu Gedanken- und Wortspiel in Perfektion. Habe mir selbst diese CD gekauft und singe fast jedes Lied mit. Nach diversen Fernsehauftritten u.a. bei NightWash, Quatsch-Comedy-Club und diversen Comedy Festivals, endlich auch dieser Tonträger mit einem tollen Konzertmitschnitt aus dem Jenaer Theater in Thüringen.

Trackliste:

1. Begrüßung
2. Theater
3. Wissenswertes über Thüringen
4. Thüringen Hörprobe
5. Wissenswertes ü. den Thüringer
6. Wortkarger Wolfram
7. Die Welt nach 1989
8. WWW.GELEE.DE
9. Gartenparty in Arkansas
10. Heimat
11. 80er Jahre
12. Das westdeutsche Reihenhaus
13. Familie Gold Hörprobe
14. Auftritte vor ostdt. Senioren I
15. Meine kleine Stadt
16. Auftritte vor ostdt. Senioren II
17. Hans Eichel Hörprobe
18. Die Herkunft der Zimtlatschen
19. Dörte
20. Mittelaltermärkte

21. Arbeitslos in Grönland
22. Fruchtfliegen
23. Faust
24. Pia
25. Ich bin ein Wochenendseminar
26. Miriam
27. Hermann und Dorothea
28. Kühe und Musik
29. Manfred
30. Atlantik
31. Planeten
32. So gut wie heute geht's uns nie mehr
33. Blaues Blut
34. Ich bin ein Indianer
35. Apachenjunge Lukas
36. Drei Hymnen
37. Alles was man tut ist gut
38. Say goodbye to the Nil
39. Wenn's am schönsten ist
40. Ohne Rotwein wäre mir das nicht passiert
41. Es ist gut

Meine Empfehlung: Kaufen und reinhören !!
Kaufen: Wortart
ISBN 3-7857-1459-9


Rainald Grebe & die Kapelle der Versöhnung

Das Show-Business schreibt seine eigenen Gesetze: Gerade noch zelebrierte Rainald Grebe solo am Piano sein "Abschiedskonzert", schon hat er eine Band gegründet. Unter dem Titel "Rainald Grebe und die Kapelle der Versöhnung" verbreitet er seine komisch-melancholische Weltsicht mit der musikalischen Unterstützung von Drums und Saiteninstrumenten. Und setzt damit ganz nebenbei neue, genreübergreifende Maßstäbe zwischen Kabarett/Comedy und Musik.


Die Kapelle der Versöhnung sind:
Rainald Grebe (Gesang / Tasteninstrumente)
Martin Brauer (Schlaginstrumente / 2. Stimme)
Marcus Baumgart (Zupfinstrumente)
Alle Texte: Rainald Grebe
Alle Musik: Kapelle der Versöhnung
Aufgenommen im Juli 2005, Studio Wong, Kreuzberg
Gemischt von Kozcak Donald, Gemastert von Arne Maria Denneler
Bass: Andreas Advokado, Shaker und Bongos im ICE: Bert Smaak
Fotos: Jim Rakete
Gestaltung: Friedemann Weise
Produziert von Martin Bechler


Trackliste:

1.ICE
2. Beckenbauer
3. Guido Knopp
4. Unterschiede Hörprobe
5. Mann ohne Gefühle
6. Mittelmäßiger Klaus Hörprobe
7. Ich-AG
8. Eberhard und Emma
9. Er und Sie
10. Leg dich in die Badewanne
11. Brandenburg Hörprobe
12. Es ist gut
13. Die Fete + Bonus

Musikalisch bietet Rainald Grebe & die Kapelle der Versöhnung ein ausgefallenes Repertoire, das vom Arbeitslosen-Pogo, über Balladen bis zur Heimat-Schnulze reicht. Grebes herrlich beknackte Spottlieder sind gespickt mit wahnwitzigen Reimen über das Wunderbare im Alltäglichen, das Absurde im Vertrauten und die Tragik in der Spaßgesellschaft. Seine ungewohnt komisch-offene Ausdrucksart ist absurdes Theater voller Skurrilität und anarchistischem Entertainment. Dabei läuft Grebes unnachahmliche Bühnen-Performance zuweilen dermaßen aus dem Ruder, dass man als Publikum nur fassungslos staunen kann. Keine Frage, Rainald Grebe ist ein Uruhrenkel des Dadaismus!

Meine Empfehlung: Fetziger Sound, neuer Klang - alles neu. Die beste CD von R.Grebe - bisher !!

Kaufen: Wortart
ISBN 3-931780-84-8


Global Fish

Dieser Roman ist im S. Fischer Verlag erschienen und ab sofort verfügbar.
432 Seiten, Broschur, ISBN 3-596-16916-X, Preis: 8,oo Euro

Hörproben vom ersten Kapitel:

1. Teil Hörprobe

2. Teil Hörprobe
3. Teil Hörprobe
4. Teil Hörprobe
5. Teil Hörprobe
6. Teil Hörprobe
7. Teil Hörprobe
8. Teil Hörprobe
9. Teil Hörprobe

Alle Teile an
einem Stück
Hörprobe

Leseprobe - ERSTE WELLE (Auszug)

Das Meer war von einem nichtendenwollenden Blaublau. Meterhohe Wellen trugen einen einsamen Surfer durch die Brandung, waghalsig ritt er auf Wogen, die ihn jeden Moment zu verschlingen drohten. Unweit von ihm ragte etwas Graues aus dem Wasser. Man wusste nicht, waren es Schaumspritzer oder der Schuppenschwanz einer Nixe, die dem Betrachter zuwinkte. Die Gischt spritzte an einen malerischen menschenleeren Sandstrand, von Kokospalmen gesäumt. Und die Pazifiksonne, sie strahlte hell am wolkenlosen Himmel. Das Paradies.

Ich erwachte auf meiner Schreibtischunterlage. Diesen Büroartikel mit dem Motiv »Strand von Waikiki« hatte mir eine geschmacklose Nenntante zu Weihnachten geschenkt. Abwaschbares Plastik. Jetzt hat meine Backe Schweißabdrücke auf dem Sandstrand hinterlassen. Schon wieder war ich eingepennt, mein Schädel noch immer im Jetlag. Wie viele Zeitzonen diesmal?
Eben war ich noch in Australien und hab mir die Oper in Sydney angesehen, die Aborigines gefragt, ob es lohne, länger bei ihnen zu bleiben, worauf die nur mit den Achseln gezuckt und gemeint haben, das müsse allein ich entscheiden. Bin dann über Thailand, das mir seinen unberührten Dschungel anbot, und die händeringend einladende Mongolei durch elf europäische Metropolen, die mir alle versicherten, Europa sei nichts ohne sein Erbe, kurz in Island weggenickt. Ein Isländer tippte mir auf die Schulter, hielt mir seine Ponyzucht vor die Nase, meinte, in solch urwüchsiger Umgebung reiten lernen, das könne man nirgends, seine Pferde seien reinrassig, mit sehr guter Töltveranlagung, natürlich auch Scheritt, Terab, Pass und Galopp, wollen Sie bitte gleich an die Longe, ich sagte: Moment, ich brauche Bedenkzeit. Entscheidungskrank driftete ich auf einer Eisscholle nach Waikiki, wo ich schweißnass erwachte.

So ging das nun seit Monaten, und es war kein Ende abzusehen. Juli war schon, bald kam der August. Und um den ging es doch. Seit einem halben Jahr plante ich diesen August, akribisch, wie ich alles plante, die große Reise nach dem Abitur, die wichtigste und längste Reise im Leben eines jungen Menschen. Vor allen anderen hatte ich begonnen mit der Planung, vorbereitet hatte ich mich wie auf eine wichtige Prüfung, für diesen August wollte ich fünfzehn Punkte. Jetzt war ich der letzte. Alle anderen hatten schon was. Machten Jobs, Praktika oder waren weg mit Rollkoffern, Rucksäcken oder ihrem ersten Golf. Ich saß in meinem Kinderzimmer vor verschwitztem Waikiki, auf dem Schreibtisch stapelten sich die Prospekte, und ich wusste nicht wohin. Woher dieses Loch? Der August wuchs sich aus zu einer Lebensbedrohlichkeit, lähmend lang wie ein Menschenleben. In meiner Verzweiflung schaute ich immer wieder über mein Bett. Dort hatte ich mein Abizeugnis eingerahmt. Ich war der Beste meiner Stufe. Mit Abstand. Und nun, wo die Schule vorbei war, versagte ich bei der Planung einer Sommerfrische. Ich begriff es nicht. 19 Jahre lang ohne Kopfschmerzen, im weißen Reihenhaus meiner Eltern, und jetzt das.

Was der Knabe schöne Beine hat.
Die Verwandten standen um meinen Laufstall.
Was der Knabe große Füße hat.
47, wie Günther Netzer.
Der wird weit kommen.
Eine Morgenzeugung, sagte mein Vater stolz.
Den hab ich gemacht nach zwei Tassen Krönung.

Ich entschied mich für Nichtaufgeben. Weitersuchen. Wär doch gelacht. Ich war doch immer so sicher. Und systematisch. Ich starrte auf die rauen Mengen Kataloge, die abstoßende Vielfalt der Möglichkeiten: Neckermann Tui Reisen&Mehr Studiosus Dr. Tigges Globetrotter Holiday Land World Travel Hapag Lloyd Atlas Reisen Sindbad Reisen Tourconsult Elantouristik Global Reisen. Anfangs hatte ich alle noch feinsauber gestapelt, nach Rubriken sortiert, Individualreisen, Pauschalreisen, Bildungsreisen, Kultur&Natur, Sport&Fun. Jetzt lagen sie durcheinander wie ein aus der Hand geglittenes Kartenspiel.

Überwinden Sie nur am Seil baumelnd tief eingeschnittene Canyons oder spüren Sie, wie beim Abseilen der Adrenalinspiegel steigt. Sie können sich nicht entscheiden? Dann ist das Abenteuercamp genau das richtige für Sie! Angst? Keine Sorge! Gemeinsam mit unseren professionellen Guides meistern Sie jedes Abenteuer! Natürlich fehlt bei uns weder die Lagerfeueratmosphäre, noch das Relaxen am Badesee oder der Spaß beim Beachvolleyball.

Es half nichts. Reisewelle für Reisewelle schwappte über meinen Schreibtisch, je länger ich meine Nase in die Kataloge hielt, desto verwirrender wurde alles. Angebote tanzten vor meinen Augen wie ein fiebriges Kartenspiel, und ich legte wilde Patiencen, die nie aufgingen. Die fünf Kontinente tauschten ihre Positionen und trieben verbotene Mathematik. Dividierten, addierten, subtrahierten, multiplizierten, potenzierten sich untereinander wie willkürliche Variabeln, zwischenzeitlich zählte ich 8 Afrikas, 32 Europas, 4 Amerikas, 44 Australiens und 95 Asiens. 183 Kontinente und alle entdeckt, im nächsten Moment war nur noch blaues Wasser und die Landmasse verschwunden. Als wäre nie etwas wichtig gewesen auf diesem Planeten ...

In meiner Verzweiflung riss ich die Fenster auf und schrie in die Reihenhaussiedlung:
Wer hat den runden Globus platt gehauen, warum gibt es keine Täler und Tiefseen mehr, wer hat die Alpen entknittert und glatt gestrichen, warum sticht auf dieser Erde nichts heraus???
Keine Antwort. Die Reiseziele der ganzen Welt lagen gleichgültig vor mir. Irgendwann tippte ich nur noch blind in das globale Egal. Jetlag. Leg dich nieder, müder Wanderer... Voll von Nichts legte ich meine Birne auf den Plastikpazifik. Wie lange hockte ich da? Mein linkes Bein war schon eingeschlafen. Ich versuchte, mir einen runterzuholen, war aber einfach zu müde.

Es schellte. Ich schreckte aus meiner Rammdösigkeit und lief nach unten. Ein brauner Herr von UPS überreichte mir einen Brief, ich zeichnete gegen, dann sagte er noch: Leeren Sie mal ihren Briefkasten, da quetscht sich ja schon alles. Ich schaute auf den Brief in meiner Hand. Seltsam. Büttenpapierener Umschlag. Hinten ein rotes Siegel mit dem Zeichen S&J. Vorne war mit schwarzer Tinte mein Name geschrieben: Thomas Blume. Mehr nicht. Ich erbrach das Siegel und zog die inliegende Karte heraus, ebenfalls Tinte auf Bütten.

Sehr geehrter Herr Blume,
Den Sommer noch ratlos? Den August noch frei?
Wir möchten Sie einladen zu einer Fahrt auf dem Schulschiff »Arrabal« von Hamburg in die Neue Welt.
Die Arrabal ist ein originaler Segler aus dem 19. Jahrhundert.
Lernen Sie das Abenteuer der Seefahrt kennen, werden Sie selbst ein Seemann.
Wenn Sie sich jetzt nicht entscheiden, entscheiden Sie sich nie.
Das Schiff legt ab am 15. Juli, 18 Uhr, Hamburger Hafen, Dock 7.
Mit freundlichen Grüßen Reederei Salt&John
PS.: Diese Reise ist kostenlos, wenn Sie sich den seemännischen Pflichten unterziehen.

Kommentar:
“»GLOBAL FISH ist Ulysses Reloaded, ist Kafka meets Monty Python ... Rainald Grebes Romandebüt ist das großartigste, verstörendste, komischste Buch, das ich in den letzten Jahren gelesen habe.«
Jess Jochimsen”

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